Koch.Campus

Der Koch.Campus ist eine Initiative und eine Veranstaltungsserie der österreichischen Spitzen-Köche.
Ziel ist es, die österreichische Küche im In- und Ausland prägnanter zu positionieren.

Neue Initiative zur Sortenvielfalt

Initiative zur stärkeren Verbreitung der kulinarischen Sortenvielfalt

Go Projects Media; Kochcampus; April 2014;

Petition von (In alphabetischer Reihenfolge): Maximilian Aichinger, Jürgen Csencsits, Andreas Döllerer, Thomas Dorfer, Josef Floh, Harald Irka, Paul Ivic, Thorsten Probost, Philipp und Helmut Rachinger, Richard Rauch, Heinz Reitbauer und Andreas Senn

Als Köche tragen wir auch eine Verantwortung für die Lebensmittel-, Gastronomie- und Genusskultur in Österreich. In diesem Selbstverständnis haben wir, die Köche des Koch.Campus, im Vorjahr unsere Ablehnung der geplante EU-Saatgutverordnung formuliert.

Über eine halbe Million ÖsterreicherInnen haben bis Ende März 2014 auf freievielfalt.at gegen den Entwurf der EU-Kommission für eine neue EU-Saatgutverordnung unterschrieben – das war mehr als die Hälfte aller in der EU gesammelten Unterschriften.

Wir sind der Ansicht, dass Österreich durch das Engagement seiner Bevölkerung  defacto die führende Rolle bei der Bewahrung und Förderung der Sortenvielfalt bei Nutzpflanzen in Europa übernommen hat!

Vorschläge für ein neues EU-Saatgutrecht

Im Wissen, dass die EU-Kommission eine neues EU-Saatgut- und -Pflanzgutrecht ausarbeiten wird, wollen der Koch.Campus und die Arche Noah den politischen Entscheidungsträgern Lösungen vorschlagen.

Zum einen wollen wir anregen, wie der Schutz der alten oder seltenen Gemüse, Obst, Beeren, Getreide oder Kräuter im künftigen Saatgutrecht auf europäischer Ebene gesetzlich verankert werden könnte und sollte.

Zum anderen ist es uns ein Anliegen eine stärkere Verbreitung und eine höhere Akzeptanz der sogenannten »Vielfaltssorten« auch in Österreichs Gastronomie und Hotellerie zu unterstützen. Dieses Anliegen werden wir in Form eines Förderprojekts operativ umsetzen.

1) Biodiversität geht vor!

Das Prinzip der Natur ist die Biodiversität. Sie ist das jahrtausendalte Erbe, das die Natur uns und den nächsten Generationen zur Verfügung stellt, um daraus gesunde und verträgliche Lebens- und Genussmittel zu produzieren. Saatgutrecht sollte die Biodiversität als Regel und nicht als genehmigungspflichtige Ausnahme betrachten.

2) Vielfalt statt Gleichschaltung

In der industrialisierten Landwirtschaft dominieren hochgezüchtete Hybridsorten, die nicht mehr vermehrungsfähig sind, dafür aber hohen Ertrag bringen. Gerade deswegen müssen deren physiologische Spiegelbilder, die Vielfaltssorten, erhöhten Schutz genießen, weil sie die Biodiversität repräsentieren.

Begriffe wie  Unterscheidbarkeit und Stabilität – wie sie in der EU-Saatgutverordnung als Voraussetzung für die Zulassung von Nutzpflanzen vorgesehen waren – sind maßgeblich für einen Industrie-Standard bei Hybridsorten. Für die natürlich gewachsenen, vermehrungsfähigen Vielfaltssorten dürfen diese Begriffe keine Zulassungskriterien sein.

3) Freiwillige Zulassung und gerechter Marktzugang

Kleine landwirtschaftliche Betriebe dürfen nicht mit dem selben Maß gemessen werden wie internationale Konzerne. Für die Produzenten der Vielfaltssorten muss es daher Ausnahmen von allfälligen Zulassungsverfahren von Saatgut geben, die ihr wirtschaftliches Überleben sichern und ermöglichen.

Die behördliche Zulassung von Vielfalts-Sorten sollte daher freiwillig gestaltet werden und nur einem sehr einfachen, kostenneutralen Prozedere unterliegen. Für Transparenz gegenüber dem Konsumenten sollte eine entsprechende Etikettierung der Produkte sorgen. Die Sicherheit wird durch die ohnehin geltende Produzentengarantie, wie sie für alle Lebensmittel gilt, gewährleistet.

4) Vertriebschancen für die Vielfalt

Für die Produzenten dieser Vielfaltssorten darf es im Vertrieb keine Einschränkungen ihrer unternehmerischen Entscheidung geben, über welche Handelskanäle oder Vertriebspartner sie ihr Saatgut verkaufen wollen. Die Intention der im März 2014 abgelehnten Saatgutverordnung, dass die Vielfaltssorten auf Nischen und kleine Marktteilnehmer beschränkt werden sollten, geht in die völlig falsche Richtung.

5) Vielfaltssorten sind Allgemeingut

Die Verfügungsmacht über das wertvolle Saatgut natürlich gewachsener Sorten muss bei den Bauern, Sämern und Gärtnern bleiben. Es besteht andernfalls die Gefahr, dass die großen Agrarkonzerne diese genetischen Ressourcen über ein Zulassungsverfahren für sich reklamieren. Die Patentierbarkeit von Saatgut muss ausgeschlossen werden. Die freie Weitergabe von Saatgut ist eine wichtige Maßnahme zum Schutz der genetischen Ressourcen und der Biodiversität muss weiterhin erlaubt sein.

6) Sortenvielfalt in der Gastronomie

Die für Österreich typische Vielfalt an Gemüse, Obst, Beeren, Kräutern und Getreide ist ein unverwechselbares Merkmal der österreichischen Gastronomie und Küche. Österreichs politische Entscheidungsträger sollte die Zeichen der Zeit und die Wertschätzung für dieses Kulturgut erkennen und ihren Teil dazu beitragen, dass diese Sortenvielfalt zu einem Markenzeichen der österreichischen Küche wird.

Künftiges EU-Saatgut- und Pflanzgutrecht sollte daher jedem Mitgliedstaat die Möglichkeit offen lassen, die Produktion und den Vertrieb der Vielfaltssorten aktiv zu unterstützen.

In Sinne dieser Petition wird der Koch.Campus in den nächsten Monaten weitere Aktivitäten setzen!